Automobilhandel im Wandel – Trends in Sales und Aftersales
Automobilhandel im Wandel – Trends in Sales und Aftersales
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Automobilhandel im Wandel – Trends in Sales und Aftersales

Ob Vertrieb, Aftersales oder Connected Services – erfahren Sie, welche Chancen die Transformation im Automobilhandel den Marktteilnehmern künftig bietet, aber auch welche Herausforderungen damit einhergehen.
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Was zeichnet den Autohandel aus?

Der Automobilhändler, wie wir ihn kennen, kümmert sich u. a. um den Verkauf von Neu- und Gebrauchtfahrzeugen, das Aftersales-Geschäft, die Reparatur und damit einhergehende Dienstleistungen wie Service, Wartung und Garantieabwicklung. Geht man mehr in die Tiefe, ergeben sich viele weitere Dienstleistungen wie Leasing und Finanzierung, Versicherung, Fahrzeugzulassung, Ersatzteil-, Zubehör- und Lifestyleprodukte-Verkauf und vieles mehr.

 

Automobilhandel

 

Das Service- und Produktportfolio eines Händlers kann äußerst vielseitig sein. Daher ist es für einen Händler sehr entscheidend, ob er etwa eine Ein- oder Mehrmarkenstrategie verfolgt und dabei das komplette Portfolio eines Herstellers oder nur Teile davon bereitstellt.
Zwei Annahmen sind hier wichtig:

 

  • Ein Händler muss mit seiner Belegschaft sehr viel Know-how vorhalten. Kunden können sich heute im Internet vorinformieren und wollen dann vom Verkäufer eine auf Erfahrung basierende Aussage. Dieses personalintensive Geschäftsmodell erfordert eine umfangreiche Mitarbeiterausbildung. Es hat zum Ziel, den Kunden zu verstehen, die IT-Systeme bedienen zu können sowie das technische Wissen für das komplexe Produkt zu besitzen und im Kundenkontakt abzurufen. Die Herausforderung dabei ist, die Markenwelt zu verstehen, die Markenbotschaft zu transportieren und letztlich auch den Verkauf abzuschließen.
  • Händler haben sich zu großen Ketten und Autohäusern zusammengeschlossen. Dafür gibt es sehr viele Treiber, teilweise sind es Herstellervorgaben, die vielfältige Modellpalette eines OEMs und auch Kostendruck oder Finanzierungsbedarf. Durch den Zusammenschluss werden zentrale Unternehmensprozesse gebündelt und optimiert, sowie Ressourcen, Lager und auch Know-how geteilt.

 

Automobilhandel und Aftersales sind heterogen

 

Wir erleben eine starke Marktkonzentration und Spezialisierung. Betrachtet man die verschiedenen Handelsorganisationen ganzheitlich, so sind diese sehr inhomogen. Die Spezialisierung auf ein Produktportfolio und ggf. noch auf unterschiedliche Kundengruppen macht den Händler aus.

 

Beispielsweise gibt es zwei deutsche Automobilhersteller, die auch Kleinbusse und Lieferwägen anbieten. Somit fällt das Geschäft hierbei viel mehr in den gewerblichen Sektor. Ein Händler kann für diese Lieferwägen aber auch Customizing oder Aftersales anbieten. Zweifelsohne ist das Geschäft mit Lieferdiensten und Businesskunden anders. Nicht nur die Fahrzeugtechnik selbst, auch die Wartungsanforderungen unterscheiden sich.

 

Händlern und Werkstätten obliegt es jede andere Art von Spezialisierung in ihre Angebotspalette aufzunehmen, wie beispielsweise das Fahrzeugtuning. Des Weiteren legen Händler und Werkstätten ihren Fokus auf Spezialfahrzeuge, wie beispielsweise Camper, Taxis oder Einsatzfahrzeuge. Man findet aber auch Händler ohne Werkstätte, die nur Fahrzeuge verkaufen, und ein Gebrauchtwagenhändler reduziert seinen Leistungsumfang noch weiter. Es gibt auch Betriebe, die sich nur um die Auslieferung kümmern oder nur Fahrzeuge online verkaufen.

 

Betrachtet man die verschiedenen Händler und Händlergruppen, so gibt es immer eine gewisse Fokussierung. Das mögliche Angebot ist so umfangreich und vielseitig, dass es nicht ganzheitlich abgebildet werden kann.

 

Connected-Dienste

 

Der aktuell wichtigste Treiber im Veränderungsprozess ist der Ausbau der Connected-Dienste. Schon die bestehenden Dienste wirken sich auf den Handel und die Werkstätten aus und werden kontinuierlich weiterentwickelt. Mit Connected-Diensten hat der OEM – neben den eigenen Niederlassungen – die Möglichkeit bekommen, mit den Endkunden direkt in Kontakt zu treten und erhält somit seinen eigenen Customer-Touchpoint.

 

Die aktuellen Connected-Dienste mit großteils direktem Kontakt zwischen Endkunde und OEM-Plattform sind kaum anders realisierbar, weil die Plattform zentral betrieben werden muss.
Die OEMs haben auf eine Beibehaltung dieser Dreiecksbeziehung mit dem Händler geachtet – wann immer es notwendig und sinnvoll ist. Beispiele hierfür sind die Buchung eines Werkstatttermins im Fahrzeug oder die Pflege des elektronischen Scheckheftes. Der amerikanische Autobauer Tesla geht hier bekanntlich einen anderen Weg, er verzichtet auf die Einbindung des Automobilhandels.

 

Ist der Kunde einem Händler zugeordnet, dann wird bei Nutzung dieser Dienste der Händler angesprochen und nicht die eigene Niederlassung des OEMs. Von besonderer Relevanz ist hier jedoch das Datenthema, weil aus Sicht des OEMs mit den Connected-Diensten ein direkter Bezug zum Kunden hergestellt wird. Vor deren Einführung hat der OEM lediglich ein Fahrzeug angesprochen und nicht den Kunden.

 

Zum jetzigen Zeitpunkt ist das Handling und das damit verbundene Geschäftsmodell bezüglich der Connected-Dienste noch relativ simpel, da diese Dienste als Sonderausstattung – demnach im Konfigurationsprozess des Kaufs – ausgewählt und entsprechend hinzugefügt werden. Die Angebote rund um die Connected-Dienste gelten zwar als kaufentscheidendes Kriterium, aber sie generieren in Relation zu den Gesamtumsätzen nur geringe Erlöse.

 

Function-On-Demand

 

Function-on-Demand ändert am etablierten Servicemodell, dass während des Produkt-Lebenszyklus eines Fahrzeugs neue Verkaufsprozesse stattfinden. Inwieweit ein Händler daran beteiligt wird, ist nicht final ausgehandelt. Demnach wird es zahlreiche Fälle geben, in denen ein Kunde unterwegs im Fahrzeug eine Funktion einkauft, die keinen Bezug mehr zum Händler hat.

 

Der Fahrzeughersteller bietet über die Connected-Funktionen zusätzliche Features an, welche auch orts- und zeitunabhängig gebucht werden können. Diese Funktionen können bereits beim Neuwagenverkauf vorhanden, jedoch deaktiviert sein. Hierfür wird zum Teil bereits eine höherwertige Hardwareausstattung beim Neuwagenverkauf bereitgestellt. Es kann zudem den Fall geben, dass dieses Feature erst mit einem Softwareupdate nach dem Neuwagenverkauf ermöglicht wurde oder vielleicht wird ein Softwareupdate notwendig, nachdem der Kunde die Funktion gekauft hat.

 

Es ist davon auszugehen, dass es in Zukunft hierfür Funktionen mit unterschiedlich starkem Händlerbezug geben wird:

  • Funktionen, bei denen der Händler aktiv in den Prozess eingebunden ist und der Verkauf der Dienste in dessen Namen erfolgt. Folglich findet eine Verteilung der Marge statt.
  • Funktionen, die für den Händler nicht relevant sind, werden für ihn nicht zur Verfügung stehen.
  • Und ein Mittelweg, bei der die Funktion direkt und indirekt vertrieben werden kann.

 

Zudem ist davon auszugehen, dass der OEM für diese Dienste an einer Customer Journey arbeiten wird, so dass der Händler nicht involviert werden muss. Grund ist, die Vermeidung der Provision und die Erhöhung der eigenen Marge für diesen Dienst. Für den OEM liegt die Herausforderung darin, die Aufmerksamkeit des Fahrers an das Human Machine Interface (HMI) – im deutschen Benutzerschnittstelle genannt – zu nutzen, um das passende Angebot zum richtigen Zeitpunkt der ausgewählten Kundengruppe anzubieten.

 

Langfristig gesehen ist eine enorme Umsatzgenerierung am HMI mit Fahrzeugen im Feld zu erwarten, die am Händler vorbeifließt. Der Margendruck beim Verkauf von Fahrzeugen in entwickelten und gesättigten Märkten ist recht hoch. Der Händler profitiert daher heute meist im Aftersales vom Verkauf und Einbau der Originalteile, wodurch der notwendige Gewinn hier erwirtschaftet werden kann.

 

Function-On-Demand wird diesen Effekt noch viel mehr fördern. Die Verwertungsmöglichkeiten lassen sich nicht mehr nur auf das klassische Aftersales-Geschäft reduzieren, sondern im Grunde ist es die tägliche Stunde Fahrzeit und die Aufmerksamkeit des Fahrers (= Kunde), die verwertet werden kann. Autonome Shuttles, die über viele Kunden geshared werden, können diese Verwertungsmöglichkeiten noch weit mehr ausnutzen, weil die Aufmerksamkeit des Fahrers nicht mehr auf den Straßenverkehr gerichtet sein muss.

 

Die zukünftige Rolle des Händlers kann gut aus anderen Branchen abgeleitet werden. Das Beispiel hierfür ist eine Versicherung, die im Direktvertrieb verkauft wird und parallel auch über Makler. Es kommt vor, dass ein Makler eine bereits direkt verkaufte Versicherung in seinen Pflegebestand übernimmt, wenn der Kunde zustimmt. Der Makler erhält dann eine Provision meist in Form einer Umsatzbeteiligung als Kompensation für die Pflege des Kundenkontaktes.

 

Ebenso gibt es in der Telekommunikationsbranche Umsatzbeteiligungsmodelle bei Laufzeitverträgen, die dabei helfen, dass eine faire Provisionsermittlung für einen Händler erfolgt, auch wenn der Umsatz über viele Jahre generiert wird. Es wird in Zukunft eine Vielzahl an Geschäftsvorfällen geben, welche sowohl eine Einmalzahlung als auch einen Langzeitvertrag bedeuten können.
Mit Function-on-Demand wird der Händler teilweise involviert sein: Der Kunde wird bei bestimmten Funktionen Fragen haben und der Händler wird eine Kompensation einfordern, wenn das Personal dafür geschult und vorgehalten werden muss.

 

Der Hersteller wird versuchen, diese Funktionen mit einer ausgefeilten digitalen Customer Journey zu versehen, die keinen Erklärungsbedarf vorsieht, um genau dies zu vermeiden. Vor allem wird aber der Aufwand steigen, Bonusberechnungen durchzuführen, entweder weil die Vertriebsleistung verteilt ist und damit der Bonus auf mehrere Parteien verteilt wird, oder weil die Berechnung nicht einfach auf einem einzelnen Verkaufsevent beruht.

 

Entscheidend für den Händler ist, dass er die Bonusmodelle versteht, um sein Personal gezielt zu lenken. Er muss vermeiden, dass Serviceleistung erbracht wird, ohne dass eine Aufwandsentschädigung erfolgt. Konkret muss der Händler seine Aufwände, die Schulungen und den Verkaufsprozess auf die Provisionszahlung ausrichten.

 

Verkauf von Fahrzeugen

 

Der Umbruch ist zudem beim Verkauf von Neu- und Gebrauchtfahrzeugen zu beobachten. Auch hier gibt es eine Verschiebung vom reinen Offline-Geschäft in Richtung Online-Plattformen. Der Verkauf verlagert sich zunehmend ins Internet – insbesondere in sehr kompetitiven Märkten wie etwa in Deutschland ist dieser Veränderungsprozess sehr weit fortgeschritten.

 

Neuwagenverkäufe werden durch Vergleichsportale gefördert. Somit haben auch die Händler die Möglichkeit, ihre Angebote deutschlandweit über diese Plattformen zu kommunizieren und zu vertreiben. Für den Händler bietet es den Vorteil, dass diese neuen Angebote seinen Absatz überregional fördern und somit die Jahresziele besser erreicht werden können.

 

Betrachtet man den Shift von Offline zu Online, ist hier vor allem das Leasinggeschäft zu erwähnen, welches sukzessive in den Online-Kanal abwandert. Grundvoraussetzung für den erfolgreichen Online-Vertrieb ist die Datenqualität. Diverse Startups sind mit Konfigurations- und Preisdaten vertraut, damit eine effiziente Abwicklung sichergestellt ist. Die Vertriebsleistung für ein Neufahrzeug wird immer weiter in folgende spezialisierte Marktteilnehmer entkoppelt:

  • Der OEM bietet über eine Programmierschnittstelle (API) die Daten zu Konfiguration, Bildern und Preisen. Oft wechselt der Kunde auch auf den Konfigurator beim Hersteller, vor allem um die ihm passende Konfiguration zu finden.
  • Ein Vergleichsportal dient als zusätzlicher Vertriebskanal für Fahrzeuge mit Leasingraten. Der Kunde sucht hier das passende Fahrzeug aus.
  • Ein Händler gewährt den Rabatt und dient als Makler für den Leasingvertrag, falls es nicht ein Flottenbetreiber direkt übernimmt.
  • Der Automotive Captive ist meist der Leasinggeber. Daneben gibt es auch weitere Leasinggeber, die am Markt tätig sind.
  • Ein Auslieferbetrieb organisiert die Übergabe an den Kunden und die Rücknahme, vielleicht auch die Aufbereitung des Fahrzeuges.
  • Niederlassungen und das Händlernetzwerk bieten Service und Aftersales.
  • Teilweise gibt es zudem noch einen Flottenbetreiber, der den Wartungs- und Servicevertrag hält. Dieser Flottenbetreiber macht vor allem dann Sinn, wenn er Großkundenrabatte bezieht.

 

Das Beispiel zeigt, wie der Händler im Vertrieb eines Fahrzeuges stellenweise und punktuell involviert wird. Wichtig ist hier anzumerken, dass das klassische Bild eines Händlers zunehmend verschwimmt. Die oben genannten Beispiele zeigen, dass der Auslieferbetrieb und auch die Vertriebsplattform spezialisierte Prozesse bedienen. Sie handhaben damit nur kleine Teilaspekte des klassischen Händlers.

 

Der Automobilhandel wurde zunehmend professionalisiert mit dem Ergebnis, dass große Handelsgruppen mit Milliardenumsätzen entstanden sind. Durch die oben beschriebenen neuen Marktteilnehmer mit hohem Spezialisierungsgrad findet eine Neuordnung des bestehenden Automobilhandels statt. Dies ist vor allem getrieben durch Startups, die eine Funktion im Vertrieb übernehmen und durch diese Spezialisierung und Automatisierung Effizienzgewinne erzielen.

 

Diese neuen Marktteilnehmer weisen einen hohen Diversifizierungsgrad auf und spezialisieren sie sich auf Nischen. Beispiele hierfür sind:

  • Mehrmarkenportale für Neufahrzeuge, ebenso für Gebrauchtwägen
  • Vergleichsportale für Neufahrzeuge oder Leasingverträge
  • Spezialisten für Leasingrückläufer
  • (Online-)Gutachter oder Fahrzeugbewerter

 

Die Daseinsberechtigung oder der Wettbewerbsvorteil dieser Lösungen ist oftmals die optimierte Schnittstelle zum Kunden, teilweise die gut gestaltete Customer Journey, das breite Angebot oder einfach Kosteneffizienz. Insgesamt ist zu bemerken, dass der Verkauf eines Fahrzeugs bereits heute ein extrem fragmentierter Prozess sein kann, wobei der Kunde entscheidet wie und wo er einkauft, ob offline oder online.

 

Leadgenerierung, Fragmentierung und Omnichannel

 

Wir haben bereits dargestellt, dass der Verkaufsprozess von Neu- und Gebrauchtfahrzeugen zunehmend fragmentiert wird. Bereits während der Leadgenerierung ist diese zunehmende Fragmentierung ebenfalls feststellbar.

 

Das Auto ist ein hochkonfigurierbares Massenprodukt, dessen Verkaufsprozess ist das Paradebeispiel für „Mass-Customization“. Der Vertriebsprozess erfordert viel Know-how und Aufwand für die komplette Organisation – beginnend beim OEM bis in die Vertriebs- und Handelsorganisation und die Händlerschaft. Zusätzlich heben sich die deutschen Automobilhersteller mit der Vielzahl an Sonderausstattungen vom restlichen Markt ab. Diese Kombination aus dem hohen Produktpreis, die extreme Variantenvielfalt und die hohe Komplexität des Vertriebes, machen das Automobil im Endkundenmarkt einmalig. Der fachmännische Rat eines Autohändlers garantiert hier vor allem ein Premiumerlebnis.

 

Die Komplexität des Fahrzeugvertriebs und der Kundengewinnung spiegelt sich bereits in den verschiedenen Marketingaktivitäten und den zugehörigen Customer Touchpoints wieder. Bereits hier erfolgt diese zunehmende Fragmentierung – sowohl online als auch offline. Diese Kanäle sind nicht mehr entkoppelt: Der Weg eines Kunden kann beim gedruckten Flyer beginnen, über das Scannen eines 3D-Codes in die Onlinewelt überführen und bei einem Termineintrag für ein Offline- oder ein Online-Event enden.

 

Die Kundenansprache erfolgt daher in vielen parallelen Aktivitäten, die alle nahtlos ineinandergreifen müssen. Jede Datengenerierung in diesem fragmentierten Prozess ist ein wichtiges Puzzlestück, das am Ende zu einem Anforderungsprofil des Kunden zusammengefügt werden muss. Dieses zielgerichtete Zusammenspiel zwischen on- und offline führt dazu, dass der Kunde ein individuelles Angebot bekommt, dass exakt zu ihm passt und somit in ein vollumfängliches Kundenerlebnis mündet.

 

Dieser nahtlose Übergang erfordert einen perfekten Datenaustausch zwischen Händler und OEM. Gerade hier liegt die Herausforderung, weil diese Kundendaten eben auch den Unternehmenswert eines Händlers darstellen. Der Kundenstamm musste kontinuierlich aufgebaut und gepflegt werden. Letztlich hat der Händler selbst investieren müssen, um die Kundendaten eines Verkäufers in einem CRM-System zu bündeln.

 

Diese Kundendaten lassen sich direkt verwerten, mit dem „Next Best Offer“. Zielgerichtete Maßnahmen hierzu fördern die Loyalität und die langfristige Kundenbindung. Vor allem schaffen sie aber messbaren Verkaufserfolg.

 

Aftersales, Service und Werkstätten

 

Im Bereich Aftersales dominieren die Leistungen Service und Reparatur. Spezielle Anforderungen finden sich in der Garantie- und Schadensabwicklung, da hier neben der Kommunikation mit dem Kunden auch die Abstimmung mit dem OEM stattfinden muss.

 

Moderne Diagnosesysteme erweitern die Möglichkeiten der Werkstätten und tragen dazu bei, dass der Aufwand für die Fehleranalyse rapide abnimmt. Dem entgegen wirkt die zunehmende Anzahl an Fahrzeugmodellen und -varianten, sowie die zunehmende Komplexität der verbauten Elektronik, sodass Fehlerquellen exponentiell ansteigen. Durch Fahrerassistenzsysteme und Connected-Services werden die Dimensionen der Fehlerquellen erweitert.

 

Neue technologische Entwicklungen werden aber die Prozesse und Herangehensweisen in Reparatur und Service auf den Kopf stellen. Auf Virtual Reality basiertes Schulen der Mitarbeiter und auf Augmented Reality basierte Reparaturanweisungen werden in naher Zukunft breite Anwendung finden. Die Technologie hat die Reife erreicht, um mehr Effizienz und Qualität bei Reparatur und Service zu erreichen.

 

Auch die Reparaturannahme, Protokollierung und viele weitere administrative Prozesse werden zunehmend digitalisiert. Moderne Diagnosemöglichkeiten wie Predictive Maintenance stellen vorab sicher, dass die passenden Teile vorrätig sind, so dass der Kunde nicht unnötig warten muss. Hier spielt auch die Schnittstelle zum Kunden eine bedeutende Rolle, da die beschriebenen digitalisierten Prozesse auf die Online-Terminvereinbarung wirken.

 

Mobilitätswende im Automobilhandel

 

Wo bleibt der Händler, wenn Autos autonom fahren, Elektrofahrzeuge kaum gewartet werden müssen, alle Fahrzeuge connected sind und Car-Sharing die breite Masse erreicht hat?
Die Mobilitätswende schreitet voran: Mobilität und die Transformation ist geprägt von Dynamik und einem enormen Ideenreichtum, die auf den verschiedensten Kundenbedürfnissen basiert. Dies wird auch Auswirkungen auf das Geschäftsmodell des Automobilhandels haben.

 

Menschen wollen oder müssen mobil sein, egal ob sie nun zum Einkauf fahren, mit dem Sportwagen in die Alpen cruisen oder einen Lieferwagen für den Umzug benötigen. Die Bedürfnisse an die Mobilität sind in all diesen Fällen unterschiedlich und volatil. Mobilität und die Mobilitätswende bedeuten, dass ein nutzerzentrierter Ansatz geschaffen wird, der diese heterogenen Anforderungen mit verschiedenen Mobilitätsangeboten bedient. Die Basis der neuen Services stellt jedoch nach wie vor oftmals ein Fahrzeug dar.

 

Und genau deshalb, kann der Händler hierbei eine sehr zentrale Rolle spielen. Gerade die örtliche Nähe erlaubt dem Händler, ein markt- und kundennahes Angebot zu schaffen, welches auch wirklich den Rahmenbedingungen entspricht und damit einen realen Bedarf abdeckt. Hierunter kann unter anderem der Service und die Wartung von Fahrzeugen im neuen Mobilitätsumfeld fallen.

 

Desweiteren kann der Händler die eigenen Lager- und Ersatzfahrzeuge anbieten, um die Auslastung dieser – gerade am Wochenende oder nach Ladenschluss – zu erhöhen. Zudem können komplementäre Maßnahmen, wie bspw. der Verleih von speziellem Zubehör, wie Fahrradträger oder eine Skibox, sinnvolle Ergänzungen darstellen. Hierdurch entwickelt sich der Händler mit seinen bestehenden Kernkompetenzen zunehmend in eine Art „Mobility Service Provider“.

 

Zwei der wichtigsten Trends bzw. Mobilitätsangebote, die sich gerade jetzt in den verschiedensten Kundengruppen durchsetzen, sind Car-as-a-Service und Auto-Abonnementmodelle. Beide Trends bedeuten eine Flexibilisierung des Kundenangebotes und die Annäherung an ein Rundum-Sorglospaket, was den Begriff und die Bedeutung von Servitisation unterstreicht. Der Kunde gibt Verantwortung nahezu vollumfänglich an den Anbieter ab.

 

Bei Car-as-a-Service geht es meist um Flatrates: Diese inkludieren den Fahrzeugservice, die Wartung, den Reifenwechsel, Garantien oder anderweitige Dienste, die in einem Paket rund ums Auto zusammengestellt werden können. Der Service und das Risiko wird dann entsprechend von den Anbietern, u. a. OEMs oder Versicherungsgesellschaften bepreist. Dieser Service war für Geschäftskunden schon früher üblich und erobert nun zunehmend das Privatkundensegment. Der Händler übernimmt hier meist die Services vor Ort und ist lokaler Ansprech- und Vertreibspartner.

 

Auto-Abonnements gehen noch einen Schritt weiter. Sie sind sehr ähnlich zu Langzeitmieten, weil dem Kunden letztlich ein Fahrzeug für Monate zur Verfügung gestellt wird. Und genau hierbei kommt der Händler ins Spiel. Ein Auto-Abonnement ist genau aus den Leistungen zusammengesetzt, die ein Händler bieten kann. Ein Anbieter finanziert ein Fahrzeug, bietet es dem Kunden für einen Zeitraum an, kümmert sich um die Zulassung und die Übergabe an den Kunden, übernimmt Service, Reparaturen und nimmt das Fahrzeug zurück.

 

Die Benutzung eines fahrbereiten Fahrzeuges ist der Service, den der Kunde einkauft und der Kunde hat noch ein Stück weniger Verantwortung. Der Kunde kümmert sich nicht mehr um Themen wie den Einkauf von Winterreifen, der Anbieter des Auto-Abonnements stellt diese bereit.

 

Der Händler hat auch hier die Möglichkeit, seine eigenen Lager- und Ersatzfahrzeuge im Abonnement anzubieten oder Abonnements fremder Anbietern mit in sein Portfolio aufzunehmen. Der Händler bringt wieder seine Vorteile ein – entweder als lokaler Vertriebs- oder Servicepartner. Zusätzlich erfolgt der Vertrieb über Online-Plattformen.

 

Das Angebot der Sulzer GmbH an den Automobilhandel

 

Die Sulzer GmbH verfügt über umfangreiches Wissen in Bezug auf die Prozesse und Daten, das Geschäftsmodell sowie die IT im Automobilvertrieb sowie im Aftersales. Wir verstehen, wie der Umsatz generiert wird und in welchen Prozessen der Händler Aufwände trägt. Zudem sind wir Experten im Bereich Digitalisierung.

 

Wir beraten Sie zu neuen Businessmodellen – und bewerten, welche neuen spezialisierten Marktpartner und Startups die besten Chancen besitzen, sich erfolgreich zu etablieren. Wir zeigen Ihnen auf, wie man mit diesen kooperieren und zusammenarbeiten kann. Gemeinsam mit Ihnen, betrachten wir den Markt und prüfen, welche Möglichkeiten sich als zielführend für Ihren Betrieb herausstellen und welche neuen Kollaborationen hierzu erforderlich sind.

 

Als Fullservice IT Anbieter bieten wir neben Standardlösungen für CRM, ERP und Business Intelligence auch die Schnittstellenanbindung an Marktpartner. Hierzu zählen unter anderem Zulassungsbehörden, Fahrzeughersteller, Leasinggeber etc. Im Zentrum steht natürlich die Schnittstelle zum Kunden, an deren Optimierung wir konsequent und zielgerichtet arbeiten.

 

Bei Bedarf übernehmen wir für Sie auch den Betrieb Ihrer IT-Systeme. Mit über 40 Jahren Know-how im Automotive- und Mobilitätsumfeld sind wir mit der OEM-Anbindung bestens vertraut und besitzen zahlreiche Referenzen. Wir kennen die Konfiguratoren, Ordersysteme, Connected Systeme, Händlerportale, Contentsysteme für Fahrzeuge, sowie die Bonussysteme der Fahrzeughersteller im Detail.

 

Unsere Spezialisten entwickeln Digitalisierungslösungen, die entweder direkt Kosten beim Händler oder indirekt Kosten durch Prozessoptimierung einsparen. Wir bauen kostengünstige, schnell aufgebaute Systeme für einen Test- oder Pilotbetrieb, aber auch ausgewachsene, skalierende Systeme für einen breiten und unternehmensweiten Einsatz.

 

Neben unseren Niederlassungen in Deutschland sind wir auch international auf verschiedenen Kontinenten tätig. Gemeinsam mit Ihnen definieren wir das Projektziel und entwerfen ein zielgerichtetes Umsetzungskonzept.

 

Autoren:
Richard Leitner, Leitung Mobilität
Julia Münsch, Consulting Automotive & Mobilität

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Oliver Unger, Strategic Business Solutions
Oliver Unger
Strategic Business Solutions